Was eine gute Kerze ausmacht

Die aus der Ukraine stammende Familie Sydor betreibt in der City die „Wiener Kerzenmanufaktur“. Ein Gespräch über hochwertiges Wachs und den idealen Docht.

Es ist ein wohlgestaltetes Geschäft, das sich unter sehr alten Gewölben ausbreitet. Die Gemäuer sind Teil des weitläufigen Franziskanerklosters mitten im ersten Bezirk. Zuvor war hier ein Blumengeschäft untergebracht und vor vielen Jahrzehnten ein Weinlokal. Seit vergangenen Herbst bietet hier die „Wiener Kerzenmanufaktur“ auf rund 80 Quadratmetern Kerzen in vielen Farben, Formen, Düften und Macharten feil. Ein ganzer Haufen davon wird über einer alten Badewanne präsentiert. Davor war die Manufaktur am Wiener Fleischmarkt untergebracht.

Die Kerzenmanufaktur, das sind Oksana und Andriy Sydor, die mit ihren drei Kindern (drei, fünf und elf Jahre alt) im März 2022, also kurz nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine, nach Wien geflüchtet sind. Das Stammhaus der Beiden wurde 2013 in Lemberg gegründet, wo bis heute ein Team, bestehend aus fünf Personen, die Kerzen in Handarbeit herstellt und ein Café betreibt.

Österreich war für Oksana und Andriy Sydor kein Neuland. Sie verbrachten bereits Urlaube in Tirol, aber mehr noch: Oskana Sydor hat in Wien an der privaten Modul-Universität Management und Tourismus studiert. Der studierte Physiker Andriy Sydor hat das Kerzenmachen im niederländischen Haarlem erlernt. Wir besuchten die zwei im Geschäft und wollten ein bisschen mehr darüber herausfinden, was eine gute Kerze ausmacht und worauf man achten sollte, bei einem vermeintlich selbstverständlichen Alltagsgegenstand.

STANDARD: Was macht eine gute Kerze aus?

Oksana Sydor: Es geht vor allem um Materialien, also um das Wachs, den Docht, die Farbe und den Duft. Unsere Duftstoffe zum Beispiel kaufen wir in Grasse, in Südfrankreich. Das Wachs und die Dochte beziehen wir aus Deutschland, die Zutaten für unsere Bienenwachskerzen stammen von kleinen Bauern in der Ukraine. Wir haben wirklich vieles ausprobiert. Wachs und Öle müssen für Kerzen geeignet sein, dafür gibt es eigene Zertifikate.

Andriy Sydor: Die Materialien dürfen keine Schadstoffe enthalten. Nicht alle Öle sind für Kerzen geeignet. Eine gute Kerze tropft nicht und der Docht bildet keine rußigen Pilze. Bienenwachskerzen tropfen übrigens. Das liegt in ihrer Natur.

STANDARD: Immer mehr Menschen wollen selbst Kerzen herstellen, was raten Sie diesen?

Oksana Sydor: Man kann viele Bestandteile online kaufen. Wir haben auch ein Kreativset im Programm. Es gibt allerdings viele Dinge zu beachten. Der Docht zum Beispiel muss zum Durchmesser der Kerze und zum Wachstyp passen. Das wissen viele nicht. Man muss sich mit Temperaturen auskennen, mit dem Zusetzen von Duft etc. Es geht beim Kerzenmachen viel ums Experimentieren. Man könnte das durchaus als Wissenschaft bezeichnen.

Andriy Sydor: Klar kann man es selbst machen, aber Workshops, wie auch wir sie ab Februar anbieten werden, sind durchaus empfehlenswert. Es handelt sich um einen eineinhalbstündigen Basiskurs, zum Profi wird man dabei nicht. Wir werden übrigens solche Workshops auch mit Weinverkostungen verknüpfen. Das passt doch gut zusammen, oder?

STANDARD: Warum liegt das Kerzenmachen so im Trend?

Oksana Sydor: Es geht darum, etwas mit den eigenen Händen herzustellen. Das gilt für viele Bereiche. Es geht bei einer Kerze um etwas Warmes, um Licht. Ein Signal. Eine Flamme. Eine Kerze ist etwas Herzliches.

STANDARD: Gibt es in Sachen Kerzen so etwas wie Moden?

Andriy Sydor: Nicht nur in Sachen Aussehen. Der Bedarf nach Soja-Wachs ist stark gestiegen, da es rein pflanzlich ist, im Gegensatz zu Paraffin, das aus Erdöl gewonnen wird. Wir verwenden auch Paraffin, aber nur wenn es gewisse Bedingungen erfüllt und zertifiziert ist.

Oksana Sydor: In Sachen Optik hängt es natürlich sehr von der Saison ab, welche Kerzen gefragt sind. Was auch immer mehr „in“ ist, sind Kerzen als Mitbringsel. Wir arbeiten übrigens auch mit externen Designern.

STANDARD: Apropos Saison, wie schaut es mit dem Geschäft in den Monaten Juli und August aus?

Andriy Sydor: Natürlich geht das Geschäft in den wärmeren Monaten zurück. Wir nutzen diese Zeit, um neue Geschichten zu entwickeln. Außerdem zünden unsere Stammkunden über das ganze Jahre Kerzen an. In unserem Geschäft in Lemberg geht der Umsatz auch im Sommer nicht zurück.

STANDARD: Gibt es typische Kerzen-Kunden?

Oksana Sydor: Unsere Kerzen, wir haben sieben Kollektionen im Programm, werden handgemacht, wir achten sehr auf die Materialien. Unsere Kunden schätzen das. Die Qualität schlägt sich natürlich im Preis nieder. Es kommen auch Menschen, die spezielle Kerzenständer mit weniger gängigen Durchmessern haben. Die bekommen dann Extraanfertigungen.

STANDARD: Wie schaut es mit dem Geschäft mit Duftkerzen aus? Die sind mittlerweile weitverbreitet und beliebt.

Oksana Sydor: Die Nachfrage steigt definitiv. Vor allem, wenn es darum geht, Kerzen zu verschenken. Wir haben 40 Duftrichtungen im Programm und sind immer auf der Suche nach Neuen.

STANDARD: Ihr Lieblingsduft?

Oksana Sydor: Im Winter alles, was holzig riecht. Ab Juni wird es dann Zeit für Lavendel. 

Michael Hausenblas, DerStandard, 26.1.2024

Mehr zu entdecken

Was eine gute Kerze ausmacht

Die aus der Ukraine stammende Familie Sydor betreibt in der City die „Wiener Kerzenmanufaktur“. Ein Gespräch über hochwertiges Wachs und den idealen Docht. Es ist

Es befinden sich momentan keine Produkte im Warenkorb.